Titel: „Physiotherapie – Wenn Fluchen zur Therapie gehört (bei den Patienten, natürlich)“
Ich sag’s direkt vorweg: Wer meint, in der Physiotherapie geht’s nur um ein bisschen Massieren und „Bein heben – und wieder runter“, der soll mal bei mir einen Tag hospitieren. Am besten montagmorgens. Ohne Kaffee. Mit einem Patienten, der felsenfest glaubt, ich hätte gestern persönlich seine Arthrose erfunden.
Physiotherapie ist wie Speed-Dating mit Muskelkater-Garantie. Du lernst in 30 Minuten Körperteile kennen, von denen du nicht mal wusstest, dass sie schmerzen können – beim Patienten UND bei dir selbst.
Neulich zum Beispiel: Ich bitte Herrn Schneider, sich auf die Seite zu drehen. Er rollt sich, wie ein schwer beladenes Bücherregal, mühsam zur Seite und fragt: „Haben Sie auch was gegen schlechte Laune?“ Ich antworte knapp: „Ja, das ist die zweite Einheit – die erste ist Schmerz gegen Bewegung.“ Wir lachen beide. Kurz. Dann kommt die Träne. Bei mir. Rücken schon wieder beleidigt.
Physio heißt auch: Du wirst als Folterknecht beschuldigt, als Wunderheiler gefeiert und als Fußstütze genutzt – alles innerhalb derselben Therapiestunde.
Ich hatte mal einen kleinen Jungen in der Praxis, der meinte ganz ernst zu seinem Vater: „Papa, ich glaub’, die Frau da ist Polizistin. Die zwingt einen, Sachen zu tun, die man nicht will!“ Na, wenn das mal keine Berufsehre ist.
Aber genau dafür liebe ich diesen Job. Für die ehrlichen Flüche, die aufrichtigen Fortschritte und das kollektive „Aua“ nach der ersten Dehnübung seit Jahren. Für das Schulterklopfen (auf der schmerzfreien Seite!) und die leuchtenden Augen, wenn nach Wochen plötzlich der Arm wieder über den Kopf geht. Und für jeden Opa, der nach dem 10. Termin sagt: „Also wenn Sie morgen wieder kommen, zieh ich sogar ’ne frische Jogginghose an!“
Physio ist nicht nur Gymnastik mit Anleitung – es ist Teamwork mit dem inneren Schweinehund. Und manchmal gewinnt er. Aber nur manchmal.
An alle Kolleg*innen da draußen: Ob Rücken, Knie oder Seele – ihr richtet alles wieder gerade. Mit Händen. Mit Wissen. Und manchmal auch mit Humor, der besser wirkt als jedes Schmerzmittel.
Bleibt stark, beweglich und ein kleines bisschen schadenfroh – denn nichts motiviert Patienten mehr, als das triumphale „Ich hab’s dir doch gesagt“ nach drei Wochen konsequentem Training.😉
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