Titel: Wenn Patienten zum Widerstand beim Theraband aufrufen – Willkommen in der Welt der Physiotherapie!
Neulich in der Praxis: Ich stehe mit einem gut gelaunten älteren Herrn in der Gymnastikecke. Wir arbeiten mit einem Theraband. Ich: „So, nun ziehen Sie das Band mal langsam nach außen, aber mit Spannung!“ Er zieht – dann schaut er mich ernst an: „Das Band widersetzt sich. Ich glaub, das lebt.“
Willkommen in der Welt der Physiotherapie – wo Gummibänder Persönlichkeiten haben, jeder zweite Patient „eigentlich gar nichts hat“ und plötzlich beim ersten Mobilisationsversuch gesteht, dass er nach dem Hexenschuss doch lieber wieder „eine Runde sitzen würde“. Spoiler: Das Sitzen ist meistens schon das Grundproblem.
Ich liebe meinen Job. Ehrlich. Kein Tag ist wie der andere. Jeder Gang zum Schlingentisch gleicht einem kleinen Abenteuer, und bei der Lymphdrainage erzählen mir Patienten mehr über ihre Enkel als manche Enkel über ihre Großeltern wissen. Und das ist schön. Manchmal frage ich mich: Bin ich Therapeut, Psychologe oder Entertainer im Takt des Stromgeräts?
Ach ja… Stromtherapie. Ich sag nur: Wenn der Reizstrom mal aus Versehen auf „Tanz-Modus“ gestellt wird, erfährt man auf eine sehr elektrische Art, ob der Patient Humor hat.
Viele denken, wir rollen nur ein bisschen mit dem Igelball über Rücken und sagen „halten Sie mal die Spannung“ – aber das ist ungefähr so, wie zu sagen: Ein Orchester spielt nur, weil es Noten lesen kann.
Physiotherapie ist Teamarbeit mit dem Muskelkater, ein Flirt mit dem Gleichgewicht und manchmal auch ein Boxkampf mit verklebten Faszien (Spoiler: Die Faszien gewinnen öfter, als man denkt).
Aber der schönste Moment? Wenn ein Patient nach sechs Wochen Übung, nach Wacklerunden auf der Matte und unzähligen motivierenden „Noch eine Wiederholung!“ plötzlich sagt: „Ich kann wieder alleine Treppen steigen.“ Das ist unbezahlbar.
Also an alle Physios da draußen: Ihr seid nicht nur Muskelknetende Mitfühlwunder mit Reizstrom im Gepäck. Ihr seid die Rückgrat-Retter, die Haltungskräftestärker, die „Ich-wusste-gar-nicht-dass-ich-den-Muskel-habe“-Entdecker.
Lasst euch nicht unterkriegen – weder vom vollen Terminkalender noch vom Patienten mit drei Muskelproblemen, fünf Meinungen und null Lust auf Dehnung.
Wir sind Physiotherapie. Wir sprechen die Sprache der Bewegung – auch wenn wir manchmal mit dem Hüftgelenk diskutieren müssen.
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Und eines ist sicher: Wenn das Theraband zurückschlägt, lachen wir halt mit. Bewegung heilt – Humor auch.