Titel: Warum ich denke, dass Physiotherapeuten heimlich Ninjas sind (und was das mit Wäschekörben zu tun hat)
Ich arbeite in der Physiotherapie – was bedeutet, dass ich täglich Menschen in allen erdenklichen Positionen sehe… nur nicht in der, in der sie eigentlich sein sollten.
Physiotherapie ist keine Behandlung, es ist eine Mischung aus Yoga, Zirkustraining und Sozialarbeit – mit anatomischem Hintergrundwissen und der ständigen Hoffnung, dass der Patient nicht „nur mal kurz aus dem Bett“ aufgestanden ist.
Neulich zum Beispiel:
Ich betrete das Zimmer. Herr Schmitt sitzt halb auf dem Stuhl, halb auf dem Rollator, ein Bein in der Luft, das andere irgendwie im Mülleimer. Ich frage nicht mehr warum, ich schaue nur noch, ob er atmet und ob der Mülleimer noch lebt.
Ich sage nur freundlich: „So, Herr Schmitt, heute machen wir ein bisschen Mobilisation.“
Er: „Aber nur, wenn ich sitzen bleiben darf.“
Ich: „Das sagen meine Bandscheiben auch immer – dürfen sie aber nie!“
Es folgen 20 Minuten, in denen ich mit einer Mischung aus therapeutischer Engelsgeduld und heimlicher Bauchmuskelanspannung versuche, ihn dreimal umzulagern, ein Kissen zu retten und gleichzeitig mein linkes Innenband nicht zu überdehnen.
Und während das passiert, überlegt man als Therapeut automatisch:
– Habe ich eigentlich Ergonomie richtig verstanden, oder bin ich der einzige Mensch, der regelmäßig mit dem Oberschenkel den Wäschekorb blockiert, damit der Patient nicht mitsamt Lagerungsrolle Richtung Südwand rollt?
– Warum gibt es keine Fortbildung mit dem Titel „Wie tue ich so, als würde ich locker heben, obwohl ich innerlich weine“?
Aber – und das sag ich ganz ehrlich: Trotz jeder Rückenbelastung, jedem Endlos-Flur und jeder „Nein, heute tut’s aber hier weh“-Überraschung – ich liebe diesen Job. Denn Physiotherapie bedeutet nicht nur Bewegung, sondern auch Begegnung.
Wir sind Teil der ersten Schritte, der „Ich krieg das wieder hin“-Momente, der schüchternen Lächeln nach der 4. Sitzübung und manchmal einfach der Rücken, den jemand braucht, um wieder aufrecht durchs Leben zu gehen.
Aber denkt dran: Hinter jedem „Ich stabilisiere nur kurz das Kniegelenk“ steckt eine halbe Sportakrobatiknummer. Und hinter jedem Lächeln eines Therapeuten… zwei Espresso, eine Ibuprofen und der stille Schrei der LWS.
An alle Kolleg*innen in der Physiotherapie: Ihr seid die wahren Bewegungshelden mit Mullbinde in der Tasche und Humor im Herzen.
Bleibt beweglich. Auch seelisch. 😄
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