Rehability Trainingssystem verbessert Weiterbildung für Physiotherapeuten

0

Neue Perspektiven für Physiotherapeut:innen: NTU und NHG Health führen weiterbildendes Trainingssystem „Rehability“ ein

Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten in Singapur erhalten mit dem neu entwickelten Weiterbildungsprogramm „Rehability“ eine innovative Möglichkeit zur beruflichen Entwicklung. Ins Leben gerufen durch die Nanyang Technological University (NTU) und die NHG Health Services Group, soll das neue Modell praxisnahe Kenntnisse vermitteln, die sich direkt auf den klinischen Alltag übertragen lassen. Gerade für deutschsprachige Physiotherapeut:innen, die an internationalen Entwicklungen interessiert sind, eröffnet dieses Bildungsmodell neue Impulse für die zukünftige Gestaltung postgradualer Weiterbildung.

In Zeiten des demografischen Wandels und zunehmender chronischer Erkrankungen ist die Rolle von hochqualifizierten Therapeut:innen in der Gesundheitsversorgung essenzieller denn je. Daher lohnt sich ein genauerer Blick auf die Struktur, Inhalte und Ziele des Trainingssystems „Rehability“, das nicht nur auf Fachkenntnis setzt, sondern auch ganzheitliche Kompetenzen fördert.

Struktur und Zielsetzung des Rehability-Programms

Das „Rehability“-System ist in drei aufeinander aufbauende Trainingsstufen gegliedert. Diese modulare Struktur soll sicherstellen, dass sowohl junge Berufseinsteiger:innen als auch erfahrene Physiotherapeut:innen individuell und kontinuierlich weiterentwickelt werden können. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Praxis mit patientenzentrierter Versorgung zu verknüpfen.

  • Stufe 1 – Lernen am Arbeitsplatz: Der klinische Alltag fungiert als Lernumgebung. Therapeut:innen werden direkt vor Ort geschult und begleitet.
  • Stufe 2 – Strukturierte Weiterbildung: Hier werden systematische Wissensmodule vermittelt, unter anderem zu evidenzbasierter Praxis und Diagnosemethoden.
  • Stufe 3 – Spezialisierungen: Vertiefungen in spezifischen Fachgebieten, wie neurologische Rehabilitation oder muskuloskelettale Therapie, stehen im Mittelpunkt.

Laut The Straits Times verfolgt das Programm das Ziel, den sich verändernden Anforderungen im Gesundheitswesen mit einem flexiblen, kliniknahen Lerndesign zu begegnen. Auch der Austausch innerhalb interdisziplinärer Teams spielt eine tragende Rolle. Dies spiegelt einen internationalen Trend wider, in dem Weiterbildung zunehmend als dynamischer, nichtlinearer Prozess verstanden wird.

Internationale Perspektive: Vergleich zu etablierten Weiterbildungsprogrammen

Ein Blick auf bestehende Weiterbildungsmodelle in Europa, insbesondere in Deutschland, zeigt: Auch hier gibt es Bemühungen um stärkere Praxisintegration. Die Deutsche Verband für Physiotherapie (ZVK) und andere Fachorganisationen bieten bereits verschiedene Module an, doch fehlt häufig eine übergreifende, formal strukturierte Weiterbildung mit stufenweisem Aufbau wie bei „Rehability“.

Besonders inspirierend ist dabei der Fokus auf arbeitsplatzintegriertes Lernen. In Deutschland erfolgt postgraduale Qualifizierung meist separat vom Alltag – etwa an Fortbildungsinstituten oder in Wochenendkursen. Der langfristige Transfer des Gelernten in den Klinikalltag bleibt somit oft eine Herausforderung.

Rehability adressiert genau dieses Problem mit einem Lernansatz, der Wissen sofort im Patientenalltag verankert. Expert:innen zufolge erhöht dies die Nachhaltigkeit von Lernprozessen erheblich. Zudem werden Therapiekonzepte über Fallanalysen und kollegiale Beratung reflektiert – ein methodisch-didaktischer Ansatz, der auch hierzulande von zunehmendem Interesse ist.

Relevanz für den deutschen Markt: Chancen für Fortbildungsreformen

Vor dem Hintergrund einer wachsenden Zahl komplexer Patient:innen, etwa mit Multimorbidität oder interdisziplinärem Versorgungsbedarf, steigt auch in Deutschland der Druck auf passgenaue Weiterbildung. Die Reformen zur Akademisierung und Erweiterung des Verantwortungsbereichs von Physiotherapeut:innen sind ein erster Schritt, reichen jedoch für die gesteigerten Anforderungen oft nicht aus.

Daher stellt sich die Frage:

  • Wie kann Weiterbildung stärker arbeitsplatzbasiert erfolgen?
  • Welche strukturellen Bedingungen müssen geschaffen werden, damit Lernen Teil des beruflichen Alltags wird?
  • Inwiefern ist eine engere Kooperation mit Universitäten und Kliniken wie im Fall von NTU und NHG Health auch in Deutschland denkbar?

Das „Rehability“-Modell liefert hier wertvolle Impulse: Ein dreistufiges System, das praxisorientiert, akademisch fundiert und zugleich flexibel ist. Eine Kombination, die auch in der deutschen Fortbildungslandschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen dürfte – gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und steigender Qualitätsanforderungen.

Empfehlungen für deutschsprachige Physiotherapeut:innen

Für Physiotherapeut:innen, die ihre Weiterbildung effizienter und alltagstauglicher gestalten möchten, lassen sich aus dem internationalen Beispiel folgende Handlungsempfehlungen ableiten:

  • Eigeninitiative: Ausbildungsbudgets und Weiterbildungstage gezielt für kliniknahe Formate nutzen.
  • Hospitationen: Hospitationsprogramme in spezialisierten Reha-Zentren oder Universitätskliniken können wertvolle Praxiseinblicke bieten.
  • Netzwerken: Der Austausch mit Kollegen auf Fachkongressen oder in Online-Foren erlaubt Perspektivenwechsel und Innovationsimpulse.
  • Lernkultur etablieren: Im eigenen Team regelmäßig zu Fallbesprechungen oder Journal Clubs einladen – dies fördert den Transfer aktuellen Wissens in die Versorgungspraxis.
  • Interdisziplinär denken: Die Zusammenarbeit mit Ärzt:innen, Ergotherapeut:innen oder Logopäd:innen eröffnet neue Kompetenzen und Handlungsfelder.

Fazit: Weiterbildung weiterdenken

Das Rehability-System zeigt eindrucksvoll, wie moderne Physiotherapie-Ausbildung aussehen kann: praxisnah, modular, adaptiert an reale Versorgungssituationen. Während derartige Programme in Singapur bereits konkret umgesetzt werden, steht die deutsche Fortbildungslandschaft vor vergleichbaren Herausforderungen – und kann von internationalen Vorbildern wie diesem deutlich profitieren.

Die Zukunft gehört einem ganzheitlichen Bildungsansatz, der Physiotherapeut:innen nicht nur als Ausführende, sondern als mitgestaltende Fachkräfte innerhalb eines komplexen Gesundheitssystems versteht. Strukturiert begleitetes Lernen am Arbeitsplatz könnte auch hierzulande ein Schlüssel für nachhaltige Versorgungskompetenz sein.

Quelle: The Straits Times – New post-graduate training ecosystem for physiotherapists launched

Leave us a comment