Physiotherapeutin verlässt Karriere für Kinderhilfe in Malaysia

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“Viele sehen nur die Opfer – ich sehe die Belohnung”: Warum eine Physiotherapeutin in Malaysia alles veränderte

Der Gedanke, seine berufliche Laufbahn vollständig hinter sich zu lassen, ist für die meisten schwer nachvollziehbar – besonders dann, wenn es sich um ein anspruchsvolles Studium wie Physiotherapie handelt. Umso bemerkenswerter ist die Geschichte von Dorothy Yet, die ihre Karriere als Physiotherapeutin aufgab, um stateless – staatenlosen – Kindern im Osten Malaysias zu helfen. Ihre Entscheidung verkörpert ein Thema, das auch in Deutschland viele berührt: berufliche Identität, sozialer Dienst und der Wunsch, mit medizinischem Hintergrund wirklich etwas zu bewegen.

In Deutschland zählt Physiotherapie nicht nur zu den gefragten Gesundheitsberufen, sondern auch zu einem der Felder, die regelmäßig mit dem Wunsch nach Sinn, Empathie und Wirkung verbunden werden. Die Geschichte von Dorothy Yet wirft daher ein faszinierendes Licht auf mögliche gesellschaftliche Rollen von Therapeuten – weit über Krankenhäuser und Praxen hinaus. Sie zeigt auf, wie man therapeutisches Wissen in anderen, oftmals marginalisierten Kontexten sinnvoll zur Anwendung bringen kann.

Ein Leben im Dienst der Unsichtbaren

Laut Salt&Light führte Dorothy Yet einst ein recht vorhersehbares, professionell gesichertes Leben. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Physiotherapeutin und arbeitete im renommierten Singapore General Hospital – ein Arbeitsplatz, der in vielen Ländern als begehrtes Berufsziel gilt. Doch eine tief verwurzelte innere Überzeugung – kombiniert mit einem Praktikum in einem ländlichen Gebiet Malaysias – initiierten einen radikalen Wechsel in ihrem Denken.

Statt auf Karriere, Aufstieg und materielle Sicherheit zu setzen, entschied sie sich, sich voll und ganz dem Dienst an Kindern zu widmen, die keinen Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung oder staatsrechtlicher Anerkennung haben. Dabei begegnete sie zahlreichen Herausforderungen:

  • fehlende Infrastruktur für medizinische Versorgung
  • rechtliche Hürden bei der Arbeit mit staatenlosen Kindern
  • kaum existierende Bildungsangebote für ethnische Minderheiten
  • ein Rückgang professioneller Sicherheit und sozialer Anerkennung

Für viele mag das wie ein permanenter Verlust erscheinen. Für Yet war es ein Zugewinn an Bedeutung, Wirkung und Menschlichkeit. Sie lernte, dass Heilung weit mehr als physische Genesung bedeutet – nämlich Teilhabe, Würde und Hoffnung zu fördern.

Querschnitt durch zwei Berufungen: Medizin & Mission

Die Verbindung zwischen medizinischer Ausbildung und gemeinnützigem Dienst ist keineswegs neu. Auch andere Beispiele – wie die von Albert Schweitzer oder den “Flying Doctors” in Afrika – zeigen, dass medizinische Expertise ohne bürokratische Einschränkungen in vulnerablen Regionen besonders wirksam werden kann.

Dennoch fordert diese Art der Berufung besondere innere Ressourcen:

  • psychische Belastbarkeit: Konfrontation mit Armut, Leid und sozialen Missständen
  • Interkulturelle Sensibilität: Arbeit mit ethnischen Minderheiten und komplexen kulturellen Identitäten
  • Fachliche Flexibilität: Einsatz medizinischer Kenntnisse unter prekären Bedingungen

Laut Erfahrungsberichten von Entwicklungshilfeorganisationen wird besonders die Rolle von Physiotherapeuten in solchen Kontexten unterschätzt. Bewegungsförderung, Schmerzmanagement und basale Rehabilitationsmaßnahmen können in abgelegenen Regionen enorm zur Lebensqualität beitragen – besonders bei Kindern mit Entwicklungsverzögerungen oder Verletzungsfolgen.

Ein Blick nach Deutschland: Zwischen Profession und Berufung

Auch in Deutschland wächst das Interesse an neuen Formen therapeutischen Engagements. Viele Physiotherapeutinnen und -therapeuten stellen sich im Lauf ihrer Karriere die Frage: Wie kann ich mehr bewirken? Wie kann ich mit meinem Wissen soziale Gerechtigkeit fördern?

Einige Entwicklungen belegen diesen Trend:

  • Wachsende Zahl gemeinnütziger Einsätze innerhalb deutscher Städte (z. B. mobile Physio-Angebote für Obdachlose)
  • Freiberufliche Therapeutinnen, die in Flüchtlingsunterkünften ehrenamtlich unterstützen
  • zunehmende Projekte in internationalen Entwicklungshilfeprogrammen mit Einbindung deutscher Fachkräfte

Eine Studie des IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) aus dem Jahr 2022 zeigte, dass rund 18 % der Fachkräfte im Gesundheitswesen in Deutschland einen Sinnverlust in ihrer Arbeit beklagen – insbesondere aufgrund dokumentationslastiger Prozesse, Zeitdruck und mangelnder Wertschätzung. Die Anzahl der Bewerbungen auf soziale Sabbaticals oder Auslandseinsätze mit therapeutischem Fokus ist daher im letzten Jahrzehnt kontinuierlich gestiegen.

In dieser Hinsicht könnte die Geschichte von Dorothy Yet als paradigmatisches Beispiel dienen: Der bewusste Schritt aus der klassischen Karriere hin zu einem wirkungsstarken sozialen Auftrag zeigt neue Potenziale für einen Beruf, der weit mehr umfasst als die Behandlung von Muskeln und Gelenken.

Was kann ich als Physiotherapeut/in tun?

Für diejenigen, die sich von solchen Geschichten inspirieren lassen, stellt sich vielfach die Frage nach dem “nächsten Schritt”. Die gute Nachricht: Auch ohne radikalen Umzug oder Berufsausstieg kann bereits viel bewegt werden. Entscheidend ist die bewusste Neuorientierung der eigenen Kompetenz in gesellschaftlich relevante Kontexte.

Praktische Ansatzpunkte:

  • Volunteering-Kooperationen mit NGOs (z. B. MediNetz, Humedica, Ärzte ohne Grenzen)
  • Aufbau mobiler Physiotherapie-Angebote (z. B. für Pflegeeinrichtungen, Unterkünfte oder öffentliche Orte)
  • Engagement in Bildungsformaten (z. B. Workshops für Selbsthilfegruppen, Präventionsprojekte in Schulen)
  • Teilnahme an internationalen Programmen, etwa über Action Medeor oder Misereor

Zusätzlich kann über berufliche Netzwerke oder Fachverbände der Austausch mit Gleichgesinnten gesucht werden, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die dem therapeutischen Beruf wieder mehr Tiefe und Sinn verleihen.

Fazit: Beruf als Dienst an der Gesellschaft – auch außerhalb des klassischen Rahmens

Die Geschichte von Dorothy Yet rüttelt an etablierten Vorstellungen dessen, was beruflicher Erfolg bedeutet. Dabei wird nicht das Berufsbild der Physiotherapie verlassen, sondern um eine soziale und spirituelle Dimension erweitert, die in der heutigen Zeit zunehmend an Relevanz gewinnt – gerade auch hier in Deutschland. Es zeigt sich, dass therapeutisches Wissen nicht nur heilen, sondern Hoffnung schenken kann – besonders denjenigen, die sonst unsichtbar bleiben.

Quelle: saltandlight.sg

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